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Franz Benno Mylius

Franz Benno Mylius wurde am 27.5.1857 in Soldin (Neumark), dem heutigen Mysliborsz, als 7. Kind des Apothekers Carl Wilhelm Ernst Mylius 1 (geb. Berlin 12.3.1810, verst. Soldin 1.6.1880)  und dessen Ehefrau, Bertha Auguste Rosa, geb. Keller 2 (geb. Soldin 3.2.1823, verst. Soldin 10.1.1890) geboren.

Im ländlich geprägten Umfeld der seinerzeitigen Kreisstadt erlebten er und seine acht Geschwister im Rahmen eines der Natur, der Musik und der Familie sehr zugewandten Elternhauses eine unbeschwerte Jugend, von der die Lebenserinnerungen seines ältesten Bruders Ernst bildhaft Zeugnis geben 3. Die Neigung der Kinder zur Naturwissenschaft wurde durch den Beruf des Vaters geweckt; von den acht Geschwistern Franz Bennos wurden zwei  Apotheker und Chemiker 4, zwei weitere  ergriffen – in der Tradition der mütterlichen Familie  – landwirtschaftliche Berufe bzw. heirateten in die benachbarten Güter ein 5, ein Bruder wurde Philologe 6 und ein weiterer Bruder Kgl. Preußischer Geheimer Baurat 7, eine Schwester heiratete einen Kgl. Preußischen Geheimen Baurat 8, die älteste Schwester 9 blieb unverheiratet.


Da Soldin seinerzeit kein Gymnasium unterhielt, besuchte er in Guben die Oberschule, die er 1871 allerdings ohne Abitur verließ. Wie seine Brüder Ernst und Carl absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Apotheker, die ihn ausgehend von der väterlichen Apotheke nach Kassel, dann nach Überlingen am Bodensee und wieder nach Soldin führte. Im Jahre 1876 nahm er das Pharmaziestudium in Berlin auf und legte 1879 an der seinerzeitigen Friedrich-Wilhelm-Universität das Staatsexamen als Apotheker ab. Einberufen zum I. Berliner Garnisonlazarett 10 diente er in den Jahren zwischen 1879 und 1880 im Range eines Militärapothekers. Nach dem im Jahre 1880 eingetretenen Tod seines Vaters übernahm er für ein Jahr die elterliche Apotheke in Soldin, die dann bis zum Tode seiner Mutter (1890) verpachtet und danach verkauft wurde.


Soldin, Aquarell v. Ernst Mylius                 Adlerapotheke Soldin                       Ehemalige Apotheke in Soldin 2015


Durch den Kontakt seines Bruders Ernst zu dem berühmten Chemiker A. W. v. Hofmann 11 gelang es Franz Mylius, in dem von Hofmann geleiteten Privatlaboratorium eine Anstellung als Privatassistent zu finden, wobei der Arbeitsschwerpunkt hier vornehmlich in der Erforschung von Aminothiophenolen lag.  Hofmann, mit dem Franz Mylius bald mehr noch als sein Bruder Ernst freundschaftlich verbunden war, erkannte die außerordentliche Begabung seines Schülers. „Er fand in dem begeisterten jungen Forscher nicht nur einen Mitarbeiter von ungewöhnlicher experimenteller Geschicklichkeit und Ausdauer, sondern auch einen jungen Mann von so wertvollen persönlichen Eigenschaften, daß er ihn in sein Haus und in seinen Familienkreis aufnahm. Zu seiner Zuverlässigkeit, Gewandtheit und auch Feinfühligkeit gewann Hofmann bald so großes Vertrauen, daß er ihn auch zu einer Art von Privatsekretär machte und ihm neben der Ordnung seiner Bibliothek und der Expedition seiner Schriften auch Mithilfe bei seiner ausgebreiteten Korrespondenz übertrug.“ 12 

Hofmann war es auch, der die – wegen des fehlenden Abiturs von Mylius – notwendige Ausnahmegenehmigung zur Promotion erwirkte, die Mylius 1883 mit einer in Berlin angefertigten Dissertation in Göttingen vollzog. „Mylius strebte die wissenschaftliche Laufbahn an und hatte das Glück, von Eugen Baumann (1846-1896), der in Berlin die chemische Abteilung des Physiologischen Instituts geleitet hatte, 1884 als Erster Assistent nach Freiburg mitgenommen zu werden.“ 13 In Freiburg lag der Arbeitsschwerpunkt des jungen Assistenten in der Erforschung chinoider Pflanzeninhaltsstoffe und Gallensäuren, so dass sich Mylius 1885 bei Baumann 14 mit der Arbeit „Juglon und Hydrojuglon“, also zweier Substanzen, die in den grünen Fruchtschalen des Walnussbaumes vorkommen, habilitieren konnte.

 

Franz Mylius 1883


Mit der auf Betreiben des Industriellen Werner v. Siemens 15 und dem berühmten Physiker Hermann v. Helmholtz 16 im Jahre 1887 erfolgten Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) 17 wurde der damals 33-jährige Franz Mylius auf Vorschlag Hofmanns durch Helmholtz zum Leiter der chemischen Abteilung bestellt; 1889 erfolgte die Berufung zum Mitglied der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt und 1893 die Ernennung zum Kaiserlichen Professor an der Reichsanstalt.
 

       

               Franz Mylius in der Reichsanstalt 1918                                       Physikalisch-Technische Reichsanstalt 1910

 

„Es zeugt von dem Weitblick bei den Gelehrten, daß sie keine Bedenken trugen, eine Stelle, an der vor allem Aufgaben der anorganischen und analytischen Chemie zu bearbeiten waren, einem ausgesprochenen Organiker zu übertragen. In der Tat hat die damals übliche Ausbildung der Chemiker in der Schulung, die die organische Chemie verlieh, die beste Gewähr für rasche und sachverständige Anpassungsfähigkeit an vielgestaltige Aufgaben. Hierfür konnte keine geeignetere  Persönlichkeit als Mylius gefunden werden; seine gründliche und vielseitige experimentelle Erfahrung, seine hohe Gewissenhaftigkeit und Exaktheit, wie sein wissenschaftlicher Weitblick befähigten ihn in seltenem Maße, für die sich bietenden mannigfachen Aufgaben schnell und zielsicher die zu ihrer Lösung zweckmäßigen Wege zu finden.“ 18

„Die von Mylius an der Reichsanstalt ausgeführten Arbeiten betrafen in der Hauptsache drei Problemkreise: die chemische Angreifbarkeit der Gläser, die Reindarstellung von Metallen und die Löslichkeit von Salzen.“ 19  In das Deutsche Arzneibuch wurde die nach ihm benannte „Myliussche Probe“ übernommen; sie basiert auf der titrimetrischen und kolorimentrischen Bestimmung der aus Glas herausgelösten Menge Alkalis.

„Für die Gewinnung des bei mikro-analytischen Verfahren unabdingbar „neutralen Wassers“ entwickelte er eine Apparatur, bei der das im linken Teil eingespeiste normale destillierte Wasser in das mittlere Platingefäß gedrückt und anschließend destilliert und in der ebenfalls aus Platin bestehenden Vorlage (rechts) aufgefangen wird.“ 20




„Er entdeckte die Desoxycholsäure und eine der Jodstärke analoge farbige Jod-Einschlußverbindung der Cholsäure. Seine Arbeiten in der PTR gehören überwiegend zum Gebiet der anorganischen Chemie. Er schuf eine Klassifikation der Hydrolysebeständigkeit von Gläsern, untersuchte die Trennung der Platin-Metalle, ermittelte präzise Löslichkeitsdaten für Salze, bereitete und charakterisierte hochreine Metalle, bearbeitete aber auch Fragen der Denaturierung von Brennspiritus und der Lagerstabilität rauchschwachen Schießpulvers. In der Deutschen Chemischen Gesellschaft wirkte er aktiv im Verwaltungsausschuß, in der Redaktions- und der „Hofmannhaus“-Kommission sowie jahrzehntelang als Schriftführer im Vorstand.“ 21

Franz Mylius sind im Zuge seines beruflichen Lebens zahlreiche Ehrungen zuteil geworden. 1890 erhielt er für seine Untersuchungen über das rauchlose Pulver den Preußischen Kronenorden IV. Klasse, 1903 den Preußischen Roter-Adler-Orden IV. Klasse und 1903 die Kaiser-Wilhelm-Medaille. 1903 verlieh ihm die Deutsche Chemische Gesellschaft die Hofmann-Haus-Plakette. 1906 wurde er zum Kgl. Preußischen Geheimen Regierungsrat ernannt.

„Wie schon die Einstellung zu seinen Mitarbeitern zeigt, betrachtete Mylius seine eigenen Leistungen trotz der hohen Anforderungen, die er an sich selbst stellte, mit größter Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit; seine berufliche Befriedigung fand er in der Freude an seiner persönlichen experimentellen Arbeit und deren Anerkennung bei den Fachgenossen. Mylius war ein Mann von seltener innerer Harmonie und Abgeklärtheit. Vornehme, reine Denkweise, stets gleich bleibende Ruhe und klarer Weitblick verbanden sich mit tiefer Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit, durch die er den Menschen wie den Geschehnissen stets die besten Seiten abzugewinnen wußte. Dabei war er eine durchaus heitere Natur, gern zu Frohsinn und kleinen Neckereien aufgelegt. Wer ihm näher trat, dem offenbarte sich aber sein sonniges, frohgemutes Wesen und gewann ihm die Herzen. Für seine äußeren Lebensansprüche war es bei Mylius nur selbstverständlich, daß die Schlichtheit, in der er aufgewachsen war, ihn durch sein ganzes Leben begleitete. Rauschende Feste und äußeren Schein schätzte er nicht, umso mehr aber liebte er ernsten Gedanken-Austausch wie fröhliches Plaudern im kleinen Kreise bei einfachen Verkehrsformen. Die vom Vater ererbte Freude an der Natur war ihm zeitlebens eine Quelle der Erfrischung und Sammlung; die Lust am Wandern und an der Betätigung auf dem Wasser blieben ihm treu bis ins hohe Alter.“ 22

Er verheiratete sich in Eberswalde am 6.4.1889 mit Antonie (gen. Toni) Ida Henriette Wilhelmine v. Schütz 23 (geb. Schivelbein/Pommern 10.9.1864, verst. Berlin-Charlottenburg 28.6.1941), Tochter des Kgl. Preuß. Rittmeisters Wilhelm v. Schütz (geb. Haus Lübtow/Kr. Lauenburg in Pommern 4.5.1831, verst. Berlin-Charlottenburg, 7.5.1912), nachmaliger Vorsteher des Bahnhofs Eberswalde und dessen Ehefrau Mathilde, geb. Goltz (geb. Schneidemühl 25.4.1837, verst. Berlin-Charlottenburg 18.10.1901).

 

                                                             Franz und Toni Mylius 

 

Der in größter Harmonie geführten Ehe entstammten zwei Söhne:

  • Werner Carl Wilhelm (geb. Berlin, 25.2.1890, verst. Pforzheim, 11.1.1940), Dr. phil., Regierungschemiker, Leiter der Staatl. Probieranstalt für Edelmetalle in Pforzheim, verh. Kassel 28.1.1922 mit Anna Frieda Erika Bechmann 24 (geb. Berlin-Charlottenburg  31.8.1896, verst. Karlsruhe/Baden 26.1.1982) und
  • Curt Willi Ernst (geb. Berlin-Charlottenburg 19.8.1893, verst. Berlin 8.6.1958), unverheiratet, zuletzt Referent am Landesarbeitsamt Berlin.


„Ein reich-beglücktes, harmonisches Familienleben war ihm an der Seite seiner treusorgenden, lebensfrohen Gattin beschieden und wurde verschönt durch die Freude an zwei prächtig heranwachsenden Söhnen und in späteren Jahren noch an zwei blühenden Enkel-Töchterchen, den Kindern aus der Ehe seines ältesten Sohnes, an dessen Gattin Mylius ebenfalls in herzlichster väterlicher Zuneigung hing. Der im Vaterhaus gepflegten Musik gab Mylius auch im eigenen Heim eine Stätte; er meisterte die Flöte, von  der Gattin am Klavier begleitet. In einem Kreise von Familien etwa gleichaltriger Kollegen von der Reichsanstalt wurde einfache frohe Geselligkeit gepflegt. Wanderungen in den Wäldern der Berliner Umgebung und nicht zuletzt der Wassersport boten Gelegenheit, Körper und Geist zu erfrischen. Auf der im Tegeler See idyllisch gelegenen kleinen Insel Valentinswerder fand die Familie Mylius mehrere Jahre in den Sommer-Monaten köstliche Erholung, an die Alt und Jung immer gern zurückdenken. Während des Sommer-Urlaubs wurden die Gestade der Ost- oder der Nordsee aufgesucht und auch hier immer wieder Ruder- oder Segelboot eifrig genutzt. Oder es wurden die deutschen Mittelgebirge, Harz und Riesengebirge, Rhein- und Moselland an der Seite der Gattin durchwandert, bis nach Dänemark und Südschweden führte die Wanderlust das Myliussche Ehepaar; die Schönheiten der Schweiz, die er von Freiburg aus mehrfach besucht hatte, der Gattin zu zeigen, bot ihm  reiches Glück. In den letzten Jahren machte die Kräftigung der Gesundheit regelmäßig den Besuch von Nauheim oder Pyrmont erwünscht. Das Glück auf eigener Scholle zu wohnen, hatte Mylius im Vaterhause kennen gelernt; der eigenen Familie das gleiche Glück zu gewähren, war sein sehnlicher Wunsch. Im Jahre 1905 konnte er ihn erfüllen, als er in der Eschenallee 24 in Westend bei Berlin eine von hübschem Garten umgebene bescheidene Villa erwarb. Hier fand er sein volles Glück. Vom Frühjahr bis zum Herbst widmete er sich in seinen Freistunden der Gartenpflege, der schon vom Vater geübten Blumenzucht und freute sich am Heranwachsen und Früchtetragen der selbstgepflanzten Obstbäumchen. Hier feierte das Myliussche Ehepaar im Frühjahr 1914 im frohen Familienkreise seine Silberhochzeit.“ 25

Bis weit über die im Jahre 1923 eingetretene Pensionierung blieb Mylius seiner beruflichen Wirkungsstätte treu. Unter Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm die Möglichkeit eingeräumt, als „Gast“ an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt weiter zu forschen, wo er bis kurz vor seinem Tode an jedem Werktag anzutreffen war. „Es freute ihn ganz besonders, daß sein Nachfolger Walter Noddack (1893-1960) im chemischen Laboratorium der PTR 1924/1925 einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung des chemischen Elements Rhenium und des – wie man seit neuem wieder anzunehmen geneigt ist – Masurium, ein Isotop des Technetium, leistete. Es freute ihn auch sehr, dass sein Sohn Werner (1890-1940) gleichfalls Chemiker wurde und sich ebenfalls mit glaschemischen Untersuchungen  befasste.“ 26

Franz Mylius erlag nach kurzem häuslichem Krankenlager am 6.3.1931 im 77. Lebensjahr einem Herzinfarkt.

Die Deutsche Gesellschaft für Chemie, der Franz Mylius weit über 50 Jahre verbunden war, würdigte ihn durch einen von dem Chemiker Prof. Fritz Foerster 27 verfassten umfangreichen Nachruf, der auch ein umfangreiches Verzeichnis der wissenschaftlichen Schriften von Franz Benno Mylius enthält (upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/03/Franz_Mylius_Nachruf_1931.pdf).

 

 

Am 28.6.1941 verstarb nach kurzer Erkrankung seine Ehefrau Antonie in Berlin-Charlottenburg. Beide wurden auf dem Friedhof „Am Fürstenbrunner Weg“ in Berlin-Charlottenburg im Erbbegräbnis beigesetzt. 

 

 Dr. Martin Möllhoff-Mylius, Mag. Artium (3/2018)


1   Sohn des Christian Ludwig Mylius (geb. Schönberg bei Bensheim/Bergstraße 23.2.1768, verst.  Berlin 1.6.1845), Tressenfabrikant zu Berlin  verh.  Berlin 5.10.1800  mit Dorothea Louise Gerhardt, geb. Pritzwalk 8.11.1772, verst. Berlin 27.3.1844. Sie war die Tochter des Bürgers und Seidenknopfmachers Christian Ludwig Gerhardt (geb. Pritzwalk 13.12.1739, verst. das. 19.2.1819) und dessen Ehefrau Katharina Elisabeth, geb. Meinhoff (geb. Pritzwalk 23.3.1744, verst. nach 1819). Siehe hierzu auch: Artur Hübscher, Die Ahnen des Gießener Psychiaters und Genealogen Robert Sommer (1865-1937), in: Hessische Familienkunde, Bd. 2, Heft 5, Frankfurt am Main 1953 (dort: Ahnenpaar 18/19).

2  Tochter des Kgl. Preußischen Ökonomierates Johann Gottlob Keller (geb. Königssee/Thüringen 21.5.1774, verst. Guben 16.11.1856) und dessen Ehefrau Dorothea Wilhelmine Friederike Baath (geb. Blankenburg 29.7.1785, verst. Soldin/Nm. 20.7.1839). Vgl. hierzu: Harald Richert, Brandenburgische Landwirtschaftsgeschlechter und ihre genealogischen Verflechtungen, in: Archiv für Sippenforschung, 32. Jahrgang, Heft 22, Mai 1966, S. 504-515 (507, 508) und Alfons-Sieghart v. Pawel-Rammingen, Baath, Bath, v. Baath, in: Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 160, 3. Brandenburger Band, Limburg an der Lahn, 1972, S. 1-100.

3   Johann Ludwig Ernst Mylius, Frohe Jugenderinnerungen aus kulturarmer Zeit, Manuskript 127 Seiten (unveröffentlicht).

4   Johann Ludwig Ernst Mylius (geb. Soldin 15.3.1846, verst. Bonn 17.1.1929), Dr. phil. Apotheker und Chemiker. Verh. Soldin 24.9.1874 mit Elisabeth Nies (geb. Soldin 26.10.1857, verst. Görlitz 8.8.1923). Tochter des Kaufmanns Karl Wilhelm Nies (geb. Soldin 15.5.1802, verst. Karlsbad 1851) und der Henriette Luise Lehmann (geb. Soldin 5.10.1811, verst. 11.6.1885).

Johann Carl Mylius (geb. Soldin 21.9.1864, verst. Weimar 9.8.1914. Apotheker in Buttstädt; Autor der Geschichte der Familien Mylius (1895). Verh. Berlin (Wilmersdorf)  19.5.1891 mit Amalie Ida Elisabeth Contag (Bartossen/Lyk in Ostpreußen (geb. 21.5.1862, verst. Weimar 22.10.1929). Sie war die Tochter des Premierleutnants Johann Otto Contag (geb. Heinrichswalde/Budwethen 11.12.1822, verst. Berlin (Wilmersdorf) 11.12.1905) und dessen Ehefrau Clothilde, geb. Dahms (geb. Berlin 7.9.1829, verst. Berlin 12.2.1908, deren Mutter Luise Amalie Mylius war.

5   Julius Hermann Friedrich (geb. Soldin 20.10.1848, verst. Berlin 1.6.1924), Rittergutsbesitzer  zu Nehringswalde Ökonomierat. Verh.  Guben 29.8.1876 mit  Amalie Margarethe Martha, geb. Keller (geb. Cottbus 3.1.1851, verst. Berlin 5.6.1934). Sie war eine Tochter des Kgl. Preuß. Offiziers und Steuereinnehmers in Guben Julius Keller (geb. Wilkersdorf 8.10.1813), verst. Guben 10.6.1877) und dessen Ehefrau Valeska, geb. Ambrosius (geb. Schwiebus 12.6.1823, verst. Rittergut Nehringswalde 11.7.1900). Julius Keller, Besitzer des Rittergutes Nehringswalde, war das älteste Kind des Ökonomierates Johann Gottlob Keller und dessen Ehefrau Dorothee Friederike, geb. Baath. Seine jüngste Schwester Bertha heiratete den Apotheker Carl Mylius in Soldin, so dass zwischen Martha Amalie Margarethe Keller und Julius Hermann Friedrich Mylius eine Cousin/Cousinen-Ehe bestand.
   
Anna Bertha Mylius (geb. Soldin 6.9.1860, verst. Neuen/ bei Bunzlau 7.4.1941). Verh. Soldin 26.8.1882 mit Oberamtmann Johannes Carl Robert Martin Zeigermann (geb. Adamsdorf (Kr. Soldin 1.8.1853, verst. Neuen bei Bunzlau 22.2.1933. Zunächst Besitzer des Rittergutes Woltersdorf/Neumark, dann Fürstl. Hohenzollerscher Domänenpächter des Gutes Neuen bei Bunzlau.

6   Gottlob Robert Max Mylius (geb. Soldin 29.3.1850, verst. Bad Freienwalde 28.1.1934) Prof. Dr. phil. verh. I. Gumbinnen 2.7.1876 mit Anna Mathilde Henriette Dorn (geb. Gumbinnen 29.11.1855, verst. Osterode 21.4.1879. Verh. II Königsberg 12.7.1883 mit Emma Anna Clara Dorn  (geb. Gumbinnen 24.9.186, verst. Bad Freienwalde 12.8.1935) - Schwester zu I. Töchter des Kaufmanns Friedrich Wilhelm Dorn aus Gumbinnen und dessen Ehefrau Auguste, geb. Embacher.

7   Hermann August Paul Mylius (geb. Soldin 4.5.1851, verst. Liegnitz 27.11.1932) Regierungs- und Baurat; Geh. Baurat. Verh. Eberswalde 5.3.1881 mit Martha Caroline Friederike Adelheid v. Schütz (ältere Schwester der Antonie v. Schütz verh. mit Franz Benno Mylius).
   
8   Charlotte Laura (geb. Soldin 4.4.1853, verst. Berlin 9.2.1940). Verh. Soldin 17.7.1878 mit August Otto Max Contag, (geb. Numeiten/Kr. Angerburg 4.6.1852, verst. Berlin 15.6.1930). Geh. Baurat. Bruder der Amalie Ida Elisabeth Contag, verh. Mylius (s.o.).

9   Friederike Louise Emma Mylius (Soldin 20.10.1847, verst. Görlitz 20.8.1934).

10  Zur Bedeutung der Garnisonslazarette siehe: Frank-Peter Kirsch, Berliner Militärärzte im Labor von 1870-1895, Diss. med. (HU), Berlin 2009, S. 49 (mit weiteren Fußnoten im Text): „Ende 1871 gab es in Berlin 805.000 Zivilpersonen sowie 21.000 Militärpersonen. Ende 1873 wurden bereits über 900.000 zivile Einwohner gezählt. Die Belegungsstärke der Garnison wuchs ebenso. Neben wenigen kleinen Speziallazaretten war das Garnisonlazarett I von Bedeutung.  Es wurde im Auftrag des Kriegsministeriums in den Jahren von 1850-1853 erbaut und befand sich zunächst in der Kirschallee 8, dann in der Scharnhorststrasse 11/12 bzw. 13/14. Mit 600 Betten war es das größte Militärkrankenhaus Preußens. Seit 1853 wurde das Garnisonlazarett I von einer Kommission, die aus einem Obermilitärarzt, einem Vertreter der Armee und einem Verwaltungsbeamten bestand, geleitet.  Dieser Kommission gehörten der Oberstabsarzt Carl Ludwig Ferdinand Büttner (geb. 1809), ein Premier-Leutnant (Name unbekannt) und der Oberinspektor Pollier (bis 1858) an. Gemäß Kabinetts-Ordre vom 1. Januar 1873 wurde die Leitung einem Chefarzt anvertraut, dem der gesamte Dienstbetrieb unterstand. 1888 erfolgte durch Kabinetts-Ordre die Etatisierung von Chefarztstellen, die dem Generalarzt des Gardekorps unterstellt waren.“

11  Zu A. W. v. Hofmann, geb. 8.4.1818 Gießen, verst. 5.5.1892 Berlin siehe: Grete Ronge, "Hofmann, August Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 446-450 [Onlinefassung]; URL: www.deutsche-biographie.de/pnd118552627.html – Zugriff: 16.1.2016. 

12  Fritz Foerster, Franz Mylius, in: Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft – Abteilung A (Vereinsnachrichten) – Nr. 10 v. 11. Nov. 1931, S. 167- 194 (S. 169). 

13  Michael Engel, Weshalb hakt die Libelle? Die glaschemischen Untersuchungen von Franz Mylius, in: Die Technikgeschichte als Vorbild Moderner Technik – Glas-Kunst, Technik, Wirtschaft – Bd. 26 der Schriftenreihe der Georg-Agricola-Gesellschaft, S. 115-129 (S. 120).

14  Zu Eugen Baumann,  geb. 12.12.1846 Cannstatt, verst. 3.11.1896 Freiburg im Breisgau siehe: Friedrich Klemm,  "Baumann, Eugen" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 651 [Onlinefassung]; URL: www.deutsche-biographie.de/pnd119392453.html – Zugriff: 16.1.2016. 

15  Zum Einfluss des Industriellen Werner v. Siemens auf die Errichtung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt siehe Ewald Blocher:  Im Fokus 1884 – Werner von Siemens und die Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt;
URL: www.siemens.com/history/de/aktuelles/1301_physikalisch-technische-reichsanstalt.htm - Zugriff: 5.2.2016.


16  Zu Hermann v. Helmholtz, geb. 31.8.1821 Potsdam, verst. 8.9.1894 Berlin-Charlottenburg  siehe: Walther Gerlach, "Helmholtz, Hermann Ludwig Ferdinand von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 498-501 [Onlinefassung];
URL: www.deutsche-biographie.de/pnd11854893X.html – Zugriff: 16.1.2016. 


17  Rudolf P. Huebener, Heinz Lübbig, Die Physikalisch-Technische Reichsanstalt: Ihre Bedeutung beim Aufbau der modernen Physik, Wiesbaden 2011. Zur Baugeschichte und zur inneren Gliederung siehe: Andreas Hoffmann, in: Geschichtslandschaft Berlin – Charlottenburg. Publikation der Historischen Kommission Berlin, Hrsg. von Hermann Engel u.a., Berlin 1986, S. 345-357.

18  Foerster, a.a.O., S. 176.

19  Engel, a.a.O., S. 123.

20  Engel, a.a.O., S. 125 unter Verweis auf FN 24 des Aufsatzes: „Mylius. / Foerster, F.: Üeber die Bestimmung kleiner Mengen an Alkali und die Erkennung der Neutralität des Wassers, in: Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft, 24, 1891, S. 1482-1498.

21 Herbert Teichmann, "Mylius, Franz Benno" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 665 f. [Onlinefassung]; URL: www.deutsche-biographie.de/pnd117624691.html - Zugriff: 16.1.2016.

22  Foerster, a.a.O., S. 178.

23  Jüngere Schwester der Martha v. Schütz, Ehefrau von Paul Mylius, Geh. Baurat. Zur Familie v. Schütz: Ritttermäßiger Reichsadelstand, Toledo (Spanien) 15.2.1539 durch Kaiser Karl V. mit Wappenverbesserung des am 8.2.1486 in Frankfurt am Main den Brüdern Hans und Ulrich Schütz durch Kaiser Friedrich III. erteilten Wappenbriefs. Zum Forschungsstand vgl. u.a. Eberhard Stimmel, Die Familie Schütz, in: Abhandlungen des Staatlichen Museums für Mineralogie und Geologie, Dresden 1966, S. 377 ff.; Richard Klier, Zur Genealogie der Bergunternehmerfamilie Schütz in Nürnberg und Mitteldeutschland im 15. und 16. Jahrhundert, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte der Stadt Nürnberg, Heft 55 (1967/68), S. 185-211, zuletzt: Marie-Luise Lange, Zwischen Lockwitz und Erdmannsdorf. Neues zu den Familien Alnpeck, Schütz und Klinge., in: Familie und Geschichte, Bd. I, 1. Jahrgang, Juli-September 1992, Heft 2, S. 66-72 sowie Bd. I. 2. Jahrgang, Heft 1, Januar-März 1993, S. 155-159 m.w.N.; Klaus-Peter Herschel, Die Familie Schütz und der Schützhof in Geyer, in: Streifzüge durch die Geschichte des oberen Erzgebirges, Heft 42, Geyer 2000. 
   


24  Tochter des Franz Erich Johannes Bechmann,  geb. Berlin 4. Mai  1868, get. 24.5.1868, gefallen Neufchateau (Belgien) 22. August 1914, Kgl. Preuß. Major R.I.R. 83, Lehrer an der Kriegsschule Kassel und dessen Ehefrau (verh. Berlin 12.10.1895) Caroline Martha Louise Bieske (geb. Berlin 29.2.1872, verst. Karlsruhe/Baden 28.1.1964). Tochter des Nähmaschinenfabrikanten Rudolf Hermann Bieske (1835 - 1934) und dessen Ehefrau  Bertha Louise Emilie Habighorst (1840-1872). Die sterblichen Überreste des Majors Bechmann wurden 1915 auf den Friedhof Luisenfriedhof III - Fürstenbrunner Weg in Berlin überführt und im Beisein I.K.H., der Preußischen Kronprinzessin Cecilie, am 26.5.1915 beigesetzt. Der zum Gedenken an Major Erich Bechmann zunächst dort errichtete Obelisk befindet sich mittlerweile in Wustrau/Brandenburg auf dem dortigen Friedhof.

25  Foerster, a.a.O., S. 178-179.

26  Engel, a.a.O., S. 123.  Siehe hierzu auch im Weiteren Andreas Hoffmann, a.a.O.: „Das Ehepaar Walter und Ida Noddack stellte 1925 im chemischen Laboratorium durch chemische Anreicherung aus Erdmineralien Gadolinit her. Beim Anblick der röntgenspektrographischen Aufnahmen entdeckten sie Linien zweier bis dahin unbekannter Elemente, die sie ‚Rhenium’ und ‚Masurium’ nannten. Während ihnen 1928 gelang, das Rhenium aus Columbit in reiner Form zu isolieren, blieb ihnen dieser Erfolg beim Masurium versagt. Erst 1927 gelang dies Emilio Ginop Segré in Paris. Er benannte das Element in ‚Technetium’ um. Nach Leiden (1908) und Toronto (1923) wurde 1927 an der PTR als drittem Forschungsinstitut der Welt in Kältelaboratorium eingerichtet. Schon am 7. März 1925 gelang es, in einem Labor der PTR Helium zu verflüssigen: Aus einem Helium-Neon-Gemisch wurde das Neon ausgefroren und das Helium abgepumpt. Durch den Betrieb des neuen Kältelaboratoriums trug Walther Meißner zur Erforschung des elektrischen Widerstandes von Metallen, Legierungen und metallähnlichen Stoffen bei Tiefsttemperaturen bei. Er entdeckte die Supraleitung von Tantal, Thor, Titan, Niob, Vanadin, Kupfersulfid, Karbiden und Nitriden: Unterhalb bestimmter Tieftemperaturen (‚Sprungtemperaturen’), die durch Kühlung mit flüssigem Helium oder Wasserstoff erreicht werden, verlieren diese Stoffe ihren elektrischen Widerstand.“

27  Zu Fritz Foerster, geb. 22.2.1866 in Grünberg/Schlesien, verst. 14.9.1931 in Dresden siehe: Arthur Simon, "Foerster, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 274 [Onlinefassung]; URL: www.deutsche-biographie.de/pnd116642769.html – Zugriff 16.1.2016

 

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