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Johann Balthasar Mylius

 

 Zeitgenössischer Kupferstich von Bernhard Vogel (1683 - 1737) [1]

 

Johann Balthasar Mylius wurde in Plauen/Vogtland am 29. Juli 1654 als siebtes von vierzehn Kindern des Stadtvogtes, Steuereinnehmers und Hospitalverwalters Ernst Friedrich (gen. d. Ältere) Mylius (geb. 10.2.1615 in Plauen, verst. 4. Januar 1693 in Plauen) und dessen Ehefrau Anna Magdalena, geb. Fürgang (geb. 10. Mai 1625 in Eger [2] , verst. August 1668 und bestattet 20. August 1668 in Plauen) geboren.

 

Sie war die Tochter des Rektors der Lateinschule in Eger (1624-1627) Sebastian Fürgang [3] (geb. um 1594 in Theusing/Böhmen, verst. 1650 in Plauen),  der danach in Plauen als Pastor und ab dem Jahre 1635 ebenfalls in Plauen als Archidiakon amtierte und dessen Ehefrau Magdalena, geb. Günther (geb. um 1600 in Schlaggenwald/Böhmen,  verst. 1634 in Plauen). [4]

 

Zwei Tage nach seiner Geburt, am  31. Juli 1654 wurde Johann Balthasar Mylius im Beisein von Mag. Christoph Barthel, Rector Scholae Patriae, Mag. Christian Rudorff, S.S. Theol. Candid. und Frau Anna Dorothea, Ehefrau des Bürgermeisters D. Christian Dettleff,  getauft.

 

„Er besuchte zunächst die lateinische Schule unter dem Rektor Mag. Christoph Barthel, Konrektor Mag. Johannes Scheller, Kantor Konrad Trommer und Baccalaureus Georg Andreä. Am 1. September 1671 wechselte er auf das Gymnasium in Gera und ab 5. Mai 1676 besuchte er die Universität Leipzig, wo er unter Dr. Alberti Philosophie und unter seinem Vetter Andreas Mylius Jura studierte. 1677 wurde er Amanuensis bei seinem späteren Schwiegervater Dr. Engelbert von der Burgk, verließ jedoch 1680 wegen der Pest Leipzig und kehrte erst am 26. März 1681 dorthin zurück. Am 27. September 1682 legte er sein Doktor-Examen mit der juristischen Arbeit „Disputatio de Seditione“ ab, die er unter Anleitung seines Vetters Prof. Andreas Mylius in Leipzig angefertigt hatte." [5]

 

 

                                                       Reproduktion „Disputatio de Seditione“

 

 

"Am 23. Mai 1683 wurde er an die Stelle seines Oheims als Vizebürgermeister und Stadtsyndikus nach Plauen berufen und wurde 1706 zum Bürgermeister dieser Stadt gewählt. Als solcher wird er in der Urkunde im Turmknopf der von seinem Oheim Johann Balthasar Mylius gestifteten Gottesackerkirche, der späteren Lutherkirche, zu Plauen am 4. September 1708 genannt. Lange Zeit verwaltete er sein Amt mit großer Gewissenhaftigkeit und zur Zufriedenheit der Bürgerschaft.“ [6]

 

Er heiratete am 23. Oktober 1699 Johanna Margarethe v. der Burgk (geb. Leipzig 27. Mai 1677, verst. Plauen 17. März 1760), Tochter des Hof-, Justiz- und Konsistorialrates sowie kursächsischen Appellationsrates und Besitzer des „Unteren Rittergutes Stötteritz“ [7]  Prof. Dr. iur. utr. Engelbert v. der Burgk, [8] (geb. Leipzig 7. Dezember 1648, verst. 18. Juli 1719, begr. Marienkirche Stötteritz 10. Juli 1719) und dessen erster [9] (Heirat: Leipzig 22. Febr. 1674) Ehefrau Anna Margarethe, geb. Uhlich (geb. Leipzig 10. Jan. 1657, verst. Zeitz 11. August 1687) [10]. Diese war eine Tochter des Leipziger Kaufmanns Johann Uhlich und dessen Ehefrau, Anna Susanna, geb. Horn.

 

 

 

 

 

 

Bildnis des

Prof. Dr. iur. utr. Engelbert v. der Burgk

Kupferstich

[11]

Schwiegervater von Johann Balthasar Mylius

 

 

 

Bildnis der

Anna Margarethe v. der Burgk

geb. Uhlich

Kupferstich

[12]

Schwiegermutter von Johann Balthasar Mylius

  

Johann Balthasar Mylius verstarb am 14. Oktober 1717 in Plauen und wurde in der oben erwähnten Gottesackerkirche, der heutigen Lutherkirche, beigesetzt. Auf seinem Leichenstein stand geschrieben:

 

„Es scheidet dieser Stein die Kranken und Gesunden,

Hierunten hab ich erst die Apotheke funden.“

 

Die Leichenpredigt des Superintendenten Mag. Joh. Georg Hermann wurde unter dem Titel „Eines Regenten sorgfältiges Gebet" in Plauen 1717 veröffentlicht. [13]

 

 

 

Bildnis der Leichenpredigt

 

 

Aus der Ehe des Johann Balthasar Mylius mit Johanna Margarethe, geb. v. der Burgk entstammen vier folgende Kinder:

 

  • Friedrich Engelbert Mylius, geb. Plauen 17. Febr. 1701. Kgl. Poln. und Kur-Sächsischer Cammer-Commissarius, verstorben nach 1737. [14]
  • Christian Gottlieb Mylius, geb. Plauen 9. Februar 1702, verst. nach 1746; von 1736-1746 Mitglied des Rates der Stadt Plauen. Erwähnt als "Jur. Pract. zu Plauen" 1727 als Verfasser einer Eloge auf seinen Vetter Johann Sebastian Mylius in dessen Leichenpredigt. [15]
  • Christiane Dorothea Mylius, geb. Plauen 29. April 1704, verst. nach Oktober 1717
  • Johanna Sophie Mylius, geb. Plauen 3. Mai 1711, verst. Plauen 27. Sept. 1711

 

Nach dem Tod von Johann Balthasar Mylius verheiratete sich seine Witwe am 8. Mai 1719 mit dem Plauener Bürgermeister Johann Friedrich Leucht (geb. Falkenstein 9. August 1657, verst. Plauen 10. Juni 1721).

 

Zu ihrem Gedenken und zum Andenken an ihre beiden Ehemänner ließen sie und die überlebenden Kinder aus der Ehe mit Johann Balthasar Mylius in der Gottesackerkirche, der heutigen Lutherkirche, ein Epitaph errichten.

 

 

 

Foto mit freundlicher Genehmigung der Ev.- Luth. Lutherkirchgemeinde Plauen  [16]

 

 

Das kunsthistorisch bedeutende Epitaph zeigt die Bildnisse der Stifterin sowie ihrer beiden Ehemänner (links vom Betrachter Johann Balthasar Mylius, rechts Johann Friedrich Leucht). Unter dem Wappen der Familie v. der Burgk befindet sich eine in Latein verfasste, darunter eine in einem Medaillon verfasste Inschrift in deutscher Sprache.

 

Die in lateinischer Sprache gehaltene Inschrift lautet in deutscher Übersetzung:[17]

 

„Den Männern, die sich um die Stadt Plauen hervorragend verdient gemacht haben, den berühmten Herrn Johann Balthasar Mylius und Johann Friedrich Leucht, von denen der eine zur Rechten, geboren in Plauen am 29. Juli 1654, das Amt des Polygraphen und Syndicus, das dort zum ersten Mal eingerichtet war, 21 Jahre hindurch auf das getreueste verwaltete, dann das ihm anvertraute Consulat der Stadt durch den Zeitraum von 11 Jahren weise innehatte; mit seiner Gemahlin Johanna Margaretha, Tochter Engelberts von der Burg, 18 Jahre lang einträchtig lebte und unter Zurücklassung derselben und dreier Kinder am 14. Oktober 1718 [18] aus dem Leben schied.  Der andere zur Linken kam am 9. August 1657 in Falkenstein zur Welt, stand in Plauen dem ihm 1696 vertrauensvoll übertragenen Amte des Protonotars vor, des Pro-Consuls 1705 und des Consuls 1711 mit dem Lobe des höchsten Ernstes. Des ersteren Gattin hatte er durch fast zwei Jahre als angenehmste Lebensgefährtin. Endlich hauchte er ohne Nachkommenschaft am 10. Juni 1721 sein Leben aus. Beiden, deren Gebeine hier im Grabe unter diesem Tempel ruhen, errichteten dies Denkmal als Zeichen der Liebe und Verehrung die Gemahlin beider und die Kinder des ersten.“

 

Im Medaillon befindet sich folgende Inschrift:

 

„Johanna Margaretha, verwitwete Leuchtin gebohrene von der Burgk, ward gebohren zu Leipzig Anno 1677 d. 27. May. Ist sel: verstorben den 17. Mart: ao. 1760 brachte ihr Alter auf 82 Jahr, 9 Monath und 3 Tage / Simbolum / vertraue Gott verachte die Eydle Weld, stirb täglich und Bereite dich, auf ein Seelig Sterben.“

 

 

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Johann Balthasar Mylius war der Neffe des gleichnamigen Stifters der seinerzeitigen Gottesackerkirche, der heutigen Lutherkirche Plauen.

 

Dieser wurde am 3. Dezember 1617 in Plauen als Sohn des Plauener Ratsherrn und Notars Johannes Mylius (geb. um 1583, verst. 24.4.1636) und dessen Ehefrau Anna Maria, geb. Möstel (get. Plauen 4. Mai 1586, begr. Plauen 12.3.1640) geboren. Sie war die Tochter des Plauener Bürgers Andreas Caspar Möstel und dessen Ehefrau, Barbara geb. vom Steig, deren Vorfahren in Leipzig und im erzgebirgischen Raume beheimatet waren. Die Familie Möstel stellte mit Thomas Möstel (1520, 1522, 1527), Heinrich Möstel (1528, 1531, 1534,1537,1540, 1543, 1546), Matthes Möstel 1594,1596, 1603, 1605, 1607), Heinrich Möstel 1618, 1620, 1622, 1624, 1626, 1628, 1630, 1632, 1634, 1636, 1638, 1560, 1642) wiederholt Bürgermeister in Plauen. Zum Familienkreis gehört auch der Kurfürstl. Appellationsrat Dr. iur. Theodor Möstel (geb. 2. Jan. 1564 in Dresden, verst. 19./22.März 1628 in Leipzig), der zwischen 1604 und 1625 achtmal Bürgermeister der Stadt Leipzig wurde. [19]

 

Johann Balthasar Mylius, gen. d. Ä., immatrikulierte sich 1639 an der Universität Jena, studierte Rechtswissenschaften und war als Syndicus und Vizebürgermeister in Plauen tätig. Er war verheiratet mit Marie Elisabeth Friesel (geb. 30.6.1642, verst. 8. März 1693). [20]

 

„Am 30. Juni 1693 gab er in einer Ratssitzung zu Protokoll: ‘... er habe in seinem beim Rath hinterlegten Testament 1.000 Species-Thaler zu einer Gottesackerkirche legieret, welche er annoch bei seinem Leben darzu emploieret wissen wolle.‘ Bereits am 24. August, dem Bartholomäustag desselben Jahres, erfolgte die feierliche Grundsteinlegung unter Beteiligung des Rates, der Geistlichkeit, der Schule sowie der übrigen Bürgerschaft. Der Prediger begab sich mit den Bürgermeistern Mylius und Wild in den vier Ellen tief gegrabenen Grund an die Stelle, wo später die Kanzel hinkommen sollte. Hier begannen die drei unter Hilfe des Bauleiters den ersten Stein einzumauern, einen ‘grau schiffrigten‘ Inschriftenstein von zwei Ellen Länge. Nach der Feierlichkeit wurde den beteiligten Schulknaben ‘in der Schule zum guten Andenken etwas Geld, ohngefähr 5 Thlr., welche wohlbesagter Herr Bürgermeister Mylius hergeben, ausgeteilet.‘ Johann Balthasar verstarb aber schon ein Jahr nach der Grundsteinlegung mit 77 Jahren und konnte wenigstens den Beginn des Kirchenbaues noch erleben. Die Einweihung des fertigen Baues fand erst 29 Jahre später, am 29. Dez. 1722 statt. Der Gottesacker wurde 1866 geschlossen und die Kirche erhielt 1883 den Namen Lutherkirche, den sie heute noch trägt. Johann Balthasar wurde als Erster in dieser Kirche in einer Gruft unter der Sakristei beigesetzt, wo er noch heute ruht. Der Gedenkstein aus schwarzem Marmor lag wohl ursprünglich über dieser Gruft und ist erst später an seinem heutigen Standort an der Wand hinter dem Altar aufgerichtet worden.“ [21]

 

 

 

Die deutsche Übersetzung  des lateinischen Textes lautet: [22]

 

„Dem ewigen Gedächtnis des Mannes

Joh. Balthasar Mylius, Senators, hochberühmten Proconsuls,

hervorragend wegen des Ruhmes wahrer Frömmigkeit,

hervorragender Verdienste um die Stadt und aller Tugenden.

Er war der aufrichtige Priester der Gerechtigkeit,

die Zuflucht des Rechtes und wahrlich ein Vater des Vaterlandes.

Er war der Gründer dieses Tempels, ursprünglich frommes

Beispiel zum frommen Werk, endlich Förderer seiner Vollendung.

So lebte er Gott und dem Nächsten,

geboren von den Eltern Joh. Mylius, ernstestem Syndicus

und Anna Maria Möstel am 10. Februar 1617.

In der Ehe lebte er 33 Jahre mit seiner auserwählten Gemahlin

Maria Elisabeth Friesel, die durch Vornehmheit des Geschlechtes,

Heiligkeit des Lebens, Glanz der Tugend, Milde der Sitten

Hervorleuchtete, welche als liebliche Rose geboren wurde den

30. Juni 1642 und bald am 8. März 1693 starb, welcher der Gatte,

Greis und Witwer in frommer Sehnsucht folgend seine Seele dem

Erlöser Christus wiedergab am 16. Oktober 1694.

Klage, o Plauen, die Stütze der Stadt und des Rates hast Du verloren!“

 

 

 

 

 

Dr. iur. Martin Möllhoff-Mylius

Mag. Artium

 

 

 

 

 

 

 

 

 



[1]    Kupferstich im Privatbesitz; Abbildung gemeinfrei. Eine abweichende Farbenanordnung zeigt das im Übrigen mit dem „Greifenwappen“ im Wesentlichen übereinstimmende Wappen von Johann Balthasar Mylius wie in seinem Bildnis zu sehen. Hier ist der Schild rot und gold quergeteilt, oben drei silberne Rosen mit Blättern und Stängeln, unten ein schwarzes, halbes Mühlrad, goldener Greif mit schwarzer Mühltrommel, Helmdecken rechts schwarz und gold, links rot und silber.

 

[2]    Archiv Pilsen Cheb-sv. Mikuláš 002 (p. 50). Unter Verweis auf die in der Ahnenliste Lund in: http://gedbas.genealogy.net/person/show/1038183294 - Zugriff 9.5.2019 -  genannte Quelle dürfte von dem Geburtsdatum 19. Mai 1625 ausgegangen werden.

 

[3]    Sohn des Theologen Christoph Fürgang (1555-1634); zunächst Student in Straßburg, 1583 Magister; ca. 1585-1623 Prediger in Theusing (Böhmen); Exulant in Oelsnitz (Vogtland); 1631 Hofprediger in Netzschkau (http://thesaurus.cerl.org/record/cnp00481686 - Zugriff: 9.5.2019).

 

[4]    Nachgewiesen im Sächsischen Pfarrerbuch; siehe hierzu: Länder- und konfessionsübergreifendes Pfarrerbuch - Ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft für Sächsische Kirchengeschichte, des Instituts für Kirchengeschichte der Universität Leipzig und der HTWK Leipzig. Aus der Ehe entstammt auch der Bruder der Anna Margarethe, der Theologe Johann Sebastian Fürgang (geb. Eger 8.6.1627- verst. Adorf 1662), Pastor in Adorf (http://thesaurus.cerl.org/record/cnp02108978 - Zugriff: 9.5.2019).

 

[5]    Horst Gering Mylius, Geschichte der Familien Mylius-Schleiz a. d. Hause Gerung und Mylius-Ansbach 1375-1990, Selbstverlag Freiburg i.Br. 1992, S. 272 f.

 

[6]    Horst Gering Mylius, Geschichte der Familien Mylius-Schleiz a. d. Hause Gerung und Mylius-Ansbach 1375-1990, Selbstverlag Freiburg i.Br. 1992, S. 272 f.

 

[7]    Siehe hierzu: Otto Moser, Die Umgebung Leipzigs in geschichtlichem Abriss der nächstliegenden sechsundfünfzig Dörfer, Leipzig 1868. Digitale Neufassung des altdeutschen Originals von Cerik Chirlek. Reihe; Leipzig – Auf historischen Spuren / Band 4: „Der dreißigjährige Krieg hat alle Ortsnachrichten früherer Zeiten zerstört. Damals scheint Stötteritz nur ein einziges Rittergut gehabt zu haben, aus welchem später zwei Nebengüter abgebaut wurden, die bisweilen zwei oder auch drei Besitzern gehörten. Als erster bekannter Besitzer wird 1587 der Ratsherr Heintze genannt. Sein Nachfolger war Hans Heinrich Schmied von Schmiedefeld. Im Jahre 1637 sollte er 40.000 Taler Kontribution schaffen, und als er dies nicht konnte, wurde er auf dem Stötteritzer Wege gefangen und vom Feinde mit nach Erfurt geschleppt, wo er vier Wochen im Stocke liegen musste und sich schließlich mit 1.500 Talern freikaufte. Sein Schwiegersohn, der Kammerkommissar Georg Rink von Dorstig starb 1697 und wurde in der Johanniskirche begraben. Seine Witwe lebte bis 1722 und hinterließ das Gut ihrem Sohne, dem kaiserlichen Rate und Professor Eustachius Rink von Dorstig, welcher 1745 in Altdorf mit dem Tode abging. Eustachius Rink hatte einen weitverbreiteten Ruf als Jurist und Lehrer der historischen Hilfswissenschaften. Clara, seine Witwe, starb 1764 in Nürnberg, doch wurden in Stötteritz die Trauerfeierlichkeiten abgehalten. Der Hofrat von Glafey besaß Stötteritz oberen Teils bereits seit 1746 und starb 1753. Ihm folgte im Besitze der Domherr Appellationsrat und Ordinarius Dr. Heinrich Gottfried Bauer, welcher im Jahre 1811 testamentarisch das Gut seinen fünf Kindern hinterließ. Diese veräußerten dasselbe 1717 an Friedrich Herrmann, von dem im nächsten Jahre es der Stadthauptmann von Gera, Ferdinand Semmel, für 32.000 Taler erwarb, es jedoch schon 1819 für 36.000 Taler wieder an den Ökonomieinspektor der Meißner Schule, Friedrich Richter, abgab. Der Geheime Hofrat und Professor Dr. Eichstädt in Jena bezahlte 1823 für das Gut 42.500 Taler. Seine Erbin besitzt es gegenwärtig noch.

      Stötteritz unteren Teils enthält zwei der Güter vereinigt, wahrscheinlich dieselben, welche 1713 als das Flachsische und das Rysselsche Gut aufgeführt wurden. Früher gehörten zu diesen offenbar von dem Hauptgut abgebauten Nebengütern nur einige Drescherhäuser. Im  Anfange des vorherigen Jahrhunderts bestand jedoch Stötteritz unteren Teils aus drei Gemeinden und ist dies bis zur neuesten Zeit der Fall gewesen. In hiesiger Kirche wurde am 19. Juli 1719 der Besitzer des Gutes, Appellationsrat und Consistorialassessor Engelbert von der Burgk und am 14. November 1733 ebendaselbst seine Witwe beigesetzt. Engelbert von der Burgk hat sich um Stötteritz hohe Verdienste erworben. Er baute die im Jahre 1706 bei einem schwedischen Einfalle niedergebrannten Häuser wieder auf und noch viele andere hinzu, wodurch der Ort, welcher schon Heinrich Schmied von Schmiedenfeld wesentliche Vergrößerungen verdankte, noch einmal soviel Häuser zählte als früher. Eine ganz neue entstandene Gasse wurde zur Erinnerung an den Wohltäter die Burgkstraße genannt. Nachfolgerin der Frau Johanne Dorothe von der Burgk war die Gattin des Stadthauptmanns und Handelsherrn Balthasar Faber in Leipzig, Sophie, geborene Küstner....“

 

[8]    1670 Regierungsadvokat und 1680 Hofrat in Weißenfels, 1685 Hof-, Justiz- und Konsistorialrat in Naumburg, 1693 kursächsischer Appellationsrat in Leipzig, 1697 Sachsen-Eisenach. Geh. Rat, 1708 Prof. jur. in Leipzig.

 

[9]    Engelbert von der Burgk war in zweiter Ehe (29. Dezember 1689) verheiratet mit Johanna Dorothea, geb. Quenstedt (geb. Wittenberg 26.9.1661 – verst. Leipzig November 1733). Tochter des Theologen Johann Andreas Quenstedt (geb. Quedlinburg 13.8.1617 – verst. Wittenberg 22. Mai 1688), einem der wichtigsten Vertreter der lutherischen Orthodoxie (https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Andreas_Quenstedt) und dessen dritter Ehefrau (Heirat Wittenberg 12. August 1658) Anna Sabina, geb. Scharff (geb. Wittenberg 28. Juli 1637- verst. Wittenberg 1. Oktober 1700, begr. Schlosskirche), Tochter des Theologen und Philosophen Johann Scharff (geb. Kroppenstedt 13. Juni 1595, verst. Wittenberg 6.1.1660).  In erster Ehe (2. September 1684) war Johanna Dorothea Quenstedt verheiratet mit dem Mathematiker, Philosophen und Theologen Abraham Calov (Calovius), geb. Mohrungen/Ostpreußen 16. April 1612 – verst. Wittenberg 25. Februar 1686).  https://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_Calov

 

Engelbert v. der Burgks Portrait und möglicherweise das seiner zweiten Ehefrau befinden sich in der Marienkirche in Stötteritz. Siehe hierzu: Marienkirche in Stötteritz - wiedergegeben in: Frieder Wünsche – Fotografien von Jürgen M. Pietsch, Marienkirche Stötteritz. Die Ausstattung und ihre Funktion im Gottesdienst, Edition Arkanthus, o.J. , S. 7. (https://books.google.fr/books?id=5TTVy913rrYC&pg=PA7&lpg=PA7&dq=Engelbert+von+der+Burgk&source=bl&ots=2kUyNwgaEK&sig=ACfU3U2_nkw0IZ0Ik8Ae8F5L4lMbTEf2CA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiMiaGvh47iAhVwDmMBHQNUAoMQ6AEwD3oECAkQAQ#v=onepage&q=Engelbert%20von%20der%20Burgk&f=false - Zugriff: 9.5.2019.

 

[10]   Leichenpredigt: Gott die Edle Burgk der Edlen von der Burgk: bey Christlich wohl-geordneter ... Beerdigung/ Der ... Frauen Annen Margarethen von der Burg/ gebohrnen Uhlichin aus Leipzig/ Des ... Herrn Engelbert von der Burg/ Hochbenahmten ICti ... gewesenen hertz-geliebtesten Ehe-Frauen/ nunmehr Sel. aus den LXXIII. Psalm/ am XVI. Augusti, des MDCLXXXVII. Jahres/ in der Stiffts.Kirchen zu S. Nicolai

 

[11]   Kupferstich im Privatbesitz; Abbildung in der Leichenpredigt (gemeinfrei); Eine ausführliche Beschreibung des Kupferstiches findet sich bei Peter Mortzfeld, Die Porträtsammlung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, A 3192, in: http://portraits.hab.de/werk/5321/ Zugriff: 10.5.2019. Kupferstich: ohne Adresse [Martin Bernigeroth sc.?]. Beschreibung: Fast Halbf. von vorn, Kopf etwas nach r. gewandt, vor kreuzschraffiertem HIntergrund in r. von Vorhang drapiertem ov. Rahmen auf Sockelbrüstung innerhalb Parallelschraffur-Rechteck. Unten am Rahmen Wappenkartusche. Im Sockel 6zeil. lat. Legende „ENGELBERTVS von der Burg, I[uris]c[onsul]tus, | Haereditarius in Stoetteriz, | S[acrae] R[egiae] M[aiestatis] Polon[iae] et El[ectoris] Sax[oniae] Consil[iarius] Appell[ationum,] Ser[enissimi] Duc[is] Sax. Isenac[ensis] | Consil[iarius] intim[us,] Consist[orii] Lips[iensis] Assessor et Facult[atis] Jurid[icae] | Senior. | Vixit ann[os] LXXII m[enses] VII.“

 

[12]   Kupferstich im Privatbesitz; Abbildung in der Leichenpredigt (gemeinfrei); Eine ausführliche Beschreibung des Kupferstiches findet sich bei Peter Mortzfeld, Die Porträtsammlung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, A 319, in: http://portraits.hab.de/werk/5305/ - Zugriff: 10.5.2019: „Kupferstich: <in der Kartusche u.l.> A[braham] Snaphan pinx. – <u.r.> Johann Christoph Böcklin sculps. Lipsiae. Beschreibung: Fast Halbf. nach hl., vor kreuzschraffiertem Hintergrund in oben bebändertem ov. Rahmen innerhalb Parallelschraffur-Rechteck. Ovalumschrift „Die Weilandt HochEdle vnd Tugendbelobte Frau Anna Margaretha von der Burg gebohrne Uhlichin Zu Leipzig den 10 January 1657 In Gott seelig verstorben zu Zeitz den 11 Augusti 1687 Ihres alters 30 Jahr.“ Unten große Akanthusblatt-Kartusche mit integriertem kleinem Emblem „Acerbissima divisio“ [zerspaltenes Herz] und 6 dt. Versen mit Widmung von Joachim Feller (1628–1691), Prof. poes. in Leipzig

 

Die Edle von der Burg war so gebildt auf Erden,

doch Ihre Gottesfurcht läst sich nicht drucken ab,

vnd Ihre Treu, die sie behalten biß ins Grab,

wie auch die Höfligkeit und züchtigen Geberden.

Ihr wille war gedrückt in Gottes willen ein,

drumb kan ein Abdruck Sie der frömmsten Frauen seyn.“

 

[13]   Leichenpredigt im Privatbesitz. „Eines Regenten sorgfältiges Gebeth/ Sein eigenes Seelen-Bestes anbetreffend/ Wurde bey Christlicher Beerdigung Des Weyland Hoch-Edlen/ Vesten/ Rechts-Hochgelahrten und Hochweisen/ Herren Johann Balthasar Mylii, Hochverdient gewesenen Bürgermeisters und vornehmen Consulentens bey der Voigtländischen Creyß-Stadt Plauen, Welcher Anno 1717. den 14. Octobr. im 64. Jahre seines Alters im Herrn entschlaffen war/ In der drey Tage darauff gehaltenen Leichen-Predigt/ Uber dessen selbst erwehlten Leichen-Text/ Psalm. LI. v. 12. 13. 14. Schaffe in mir Gott ein reines Hertz ... vorgestellet“

 

[14]   Johann Christian Lünig, Neueröffnetes europäisches Staats-Titular-Buch: Worinnen Grosser Potentaten, Fürsten, Grafen und Herren, freyer Republiquen, Hoher und Niederer Collegiorum, vornehmer Hof-, Staats- und Kriegs-Ministrorum, Räthe und anderer Officianten [et]c. Titulaturen In Teutscher und Französischer Sprache enthalten, Welche Mit verschiedenen dienlichen Anmerckungen erläutert, In II. Theile abgetheilet. Worinnen Derer an denen Europäischen Höfen sich befindenden vornehmen Ministrorum, Militair- und Civil-Bedienten, Ingleichen Verschiedener anderer Officianten Geist- und Weltlichen Standes, Titulaturen enthalten, Welchen annoch eine grosse Anzahl General-Titul praemittiret worden, Nach Alphabetischer Namens-Ordnung abgefasset, Bd. 2, Verlag Lanckisch 1737, S. 255, No. 41: "Herr Friedrich Engelbert Mylius, König. Pohl. und Chur-Sächsischer CammerCommissarius".

 

[15] Samuel Urlsperger (Hrsg.), Der an seinen Kindern unter den Versuchungen sich getreu erzeigende Gott wurde/ Als der weil. Ehren- und Vorgeachte/ auch Kunstberühmte Herr Johann Sebastian Mylius/ Gewester wohlangesehener Burger/ Goldarbeiter und Jubelier allhier in Augspurg/ Den 13. Sept. Anno 1727. im 71sten Jahr seines Alters selig verschieden und darauf den 17. Sept. Christlich zur Erden bestattet worden/ Jn einer in der Haupt- und Pfarr-Kirchen zu St. Anna allhier aus dem von dem Wohlsel. Herrn Mylius selbst erwählten Leichen-Text 1. Cor. 10, 13 gehaltenen Predigt/ ... Verlag Fincke, 1727

 

[16]   Wir danken in diesem Zusammenhang ausdrücklich Herrn F. Weiß - Ev.- Luth. Lutherkirchgemeinde Plauen - für die freundliche Überlassung der Aufnahme und der Kirchnerin der Pfarramtskanzlei Frau A. Heck für Ihre Vermittlung. Zur Ev.- Luth. Lutherkirchgemeinde Plauen siehe: http://www.lutherkirche-plauen.de.

 

[17]   Übersetzung durch Dr. phil. Erich Franz  Zeigermann (geb. Woltersdorf  bei Soldin 22.5.1891, verst. Göttingen 1982), Sohn des Rittergutsbesitzers Johannes Carl Robert Martin Zeigermann (1853-1933) und dessen Ehefrau, Anna Bertha, geb. Mylius (1860-1941).

 

[18]   Das auf dem Stein angegebene Datum 14. Oktober 1718 erscheint in Hinblick auf das Jahr des Todes missverständlich; ausweislich der Leichenpredigt und der Inschrift auf dem Kupferstich des Johann Balthasar Mylius ist das Todesjahr als gesichert mit 1717 anzusetzen. Hierfür spricht auch das Datum der zweiten Heirat seiner Witwe, nämlich 8. Mai 1719. Eine erneute Heirat wäre,  wenn Johann Balthasar Mylius 1718 verstorben wäre, dann – ohne nachvollziehbare Gründe –  innerhalb des Trauerjahres erfolgt.

 

[19]   Er war der Sohn des Theodor Möstel d. Ä. (Plauen 1528, Leipzig 11.7.1586), Studium in Wittenberg, Mag., auf Empfehlung Melanchthons 1558 Rektor der Kreuzschule in Dresden, 1566-1568 Stadtschreiber und 1567-1568 Ratsherr in Dresden und ab 1568 Protonotar in Leipzig.

 

[20]   Die Angaben zur Ehefrau weichen insoweit von den noch in der Geschichte der Familien Mylius (GFM), Buttstädt 1895, S. 57  bzw. auch noch in Teilen der darauf aufbauenden Sekundärliteratur genannten Daten ab. Hier wird der Name der Ehefrau mit Marie Elisabeth Adam, verst. 12. März 1693 angegeben. Die vorgenannten Daten wurden der Aufschrift auf dem Grabstein entnommen; der als zeitgenössisches Sachzeugnis höhere Glaubwürdigkeit genießt.

 

[21]   Horst Gering Mylius, Geschichte der Familien Mylius-Schleiz a. d. Hause Gerung und Mylius-Ansbach 1375-1990, a.a.O., S. 265, 266.

 

[22]   Übersetzung durch Dr. phil. Erich Franz  Zeigermann; s.o.

 

 

 

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