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Lebensregeln der Familie Mylius

Zuerst vertrau' auf Gott recht fest,
der keinen Menschen sinken lässt,
und bete zu ihm jeden Tag,
ob gut, ob schlecht dir's gehen mag,
und sollte selbst das Herz dir bluten.
Vertrau' auf Gott, er führt zum Guten.
Dann aber trau' auch fest auf dich
und rühre dich recht männiglich.
Von selbst kommt Wohlsein nicht herein,
es will gar ernst errungen sein.
Im Tätigsein liegt's höchste Glück,
der Träge weicht von selbst zurück.
Je schwerer du es wirst vollenden,
um desto heit'rer kannst du enden;
drum rasch an's Werk und das noch heut',
Nichts Edler's gibt es als die Zeit.
Noch ist sie dein, du darfst von morgen
nicht eine Stunde hoffend borgen,
denn nimmer kannst du sicher sein,
ob auch der Morgen werde dein.
Du weißt es nicht, welch' schwere Dinge
Die nächste Zeit dir plötzlich bringe.
Am nächsten nach ihr spar' das Geld,
den größten Hebel in der Welt.
Des Lebens Freiheit hängt daran,
drum sieh' dir jeden Pfennig an
und lass ihn nimmer, nimmer fahren,
kannst du mit Ehren ihn bewahren.
Steht keiner mehr dir zu Gebot,
erwartet Schande dich und Not,
drum kannst du es, so lege heute
für Schlimme Zeiten was bei Seite.
Ein Mittel hierzu möchte sein,
leb' einfach ohne Glanz und Schein.

Was du nicht kaufen musst, das lasse,
so bleibst du Herr von deiner Kasse.
Wer Vieles hat, muss auch viel sorgen
und manchmal bei der Torheit borgen.
Mit einem Wort, in Summa, strecke
dich immer hübsch nach deiner Decke
und lass es dich nicht irre machen,
wenn auch die Toren drüber lachen.
Oft hat auch eh' der Hahn noch kräht,
Solch Lachen sich schon umgedreht.
Wollst alles nicht auf einmal tun,
Wer Sprünge macht, der muss bald ruh'n.
Drum folg' in Tätigkeit der Spur
der alles schaffenden Natur.
Sie geht nur Schritt vor Schritt zum Ziel
und wirkt doch so unendlich viel;
sie macht es grade wie die Zeit,
die währt auf eine Ewigkeit,
indem sie still sich fortbewegt
und Stunde nur um Stunde schlägt.
Geht dir's auch manchmal kreuz und quer
und wird das Gutsein dir auch schwer,
So halt mit allen Kräften aus,
Der Kämpfer nur gewinnt den Strauß.
So auch, wenn du auf Reisen bist
und Gottes Dasein nie vergisst,
sei es zu Wasser oder Land,
beschützt dich Gottes starke Hand.
Vorsichtig sei in allen Dingen,
So wird dein Werk dir wohl gelingen.
Und nun noch eins: Verzage nicht,
tust du nur immer deine Pflicht.
Der Mensch soll noch geboren werden,
Der niemals fehlte hier auf Erden.

Vertrau´ auf Gott!



Von Christoph Mylius (1603 – 1663)

Der Kauf- und Handelsmann, Rats-und Gerichtsverwalter Christoph Mylius, geboren 1603 in Grünstädtel bei Schwarzenberg im Erzgebirge hatte ein bewegtes Leben. Sein Vater starb, als er 17 Jahre alt war. Das aufgenommene Studium konnte er wegen der Teuerung im Dreißigjährigen Krieg nicht zu Ende führen, kehrte nach Hause zurück und unterstützte seine seit dem Tod des Vaters in Not geratene Mutter. Er begann einen Handel mit Zwönitzer Spitzen, wurde aber auf dem Weg nach Hessen, wo er diese verkaufen wollte, zwangsrekrutiert, musste 12 Monate beim Lippischen Regiment dienen und kehrte anschließend mit leeren Händen nach Hause zurück. Später brachte er es jedoch als Kaufmann zu einem bedeutenden Vermögen und wurde Rats- und Gerichtsverwalter in Zwönitz. Zurückblickend auf sein bewegtes Leben fasste er in Gedichtform zusammen, was ihm Kraft und Erfolg gegeben hatte und schenkte seinen Kindern mit „Der Familie Mylius Lebensregeln“ das Fazit seiner Lebenserfahrung als Richtschnur.

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